Dry Aged Steak als Spezialität
Jahrelang hatte die Schlachthof Brasserie im Lyonerviertel in Saarbrücken einen schlechten Ruf, bis dann der 3-Sterne Koch Klaus Erfort die Brasserie übernahm und daraus ein französisch angehauchtes Steakhaus machte. Die Spezialität der Brasserie ist das Dry Aged Beef – also Rindfleisch, dass bei 1 Grad Celcius für 4 bis 6 Wochen in einer Trockenkammer abgehangen wird.
Die Methode des Trocken Abhängens ist in den USA schon seit Jahrzehnten die präferierte Methode, um Steak butterzart und geschmackvoll abhängen zu lassen. Oft wird dabei auch in Kauf genommen, dass das Rindfleisch Schimmel ansetzt, der dann vor dem Garen abgeschnitten wird. Da die Saarbrücker Lebensmittelkontrolleure sicherlich von schimmeligen Fleisch nur schwer zu begeistern sind, achtet der Sternekoch peinlich genau darauf, dass sein Fleisch den Trocknungsprozess schimmelfrei übersteht.
Das Ambiente direkt zwischen den Fleischfabriken Schwamm und Schröder passt zwar sehr gut zum Thema des Restaurants, stört aber doch den Essgenuß erheblich. Insebesondere der Wintergarten ist sehr laut, da fast pausenlos große LKW vor den offenen Fenstern vorbei fahren. Wer gemütlich essen will, sollte sich auf jeden Fall in den Gastraum setzen.
Als Vorspeise haben wir den Mesclun Kräutersalat getestet, der mit 4€ recht preisgünstig angeboten wird. Unter einem Mesclun Salat versteht man einen Salat, der ausschließlich aus jungen Trieben verschiedener Salatsorten besteht. Dazu wurden frische Parmesan Scheiben und grosse Brotchips gereicht. Das Dressing war für meinen Geschmack etwas zu säuerlich, wer es gerne mit weniger Essig mag, sollte das beim Bestellen anmerken.
Zum Hauptgang hat man die Wahl aus verschiedenen Steak Zuschnitten, die man mit Gemüse und Beilagen kombinieren kann und diversen Tellergerichten wie Kalbsleber, Thunfisch oder auch Spaghetti mit Gambas.
Die Tellergerichte werden zu Preisen zwischen 18€ und 28€ angeboten. Die Steaks kosten ab 20€ aufwärts, zuzüglich 2€ bis 3€ pro Beilage.
Das von uns getestete Entrecôte war o.k., aber nicht überwältigend. Das Fleisch war viel zu sehr durchgebraten und sehr fest und kompakt. Selbst mit den sehr scharfen Laguiole Messern fiel das Schneiden recht schwer. In diversen amerikanischen Steakhäusern, in denen nur Prime U.S. Beef serviert wird, führt die Frage nach Steakmessern meist zu einer rüden Antwort des Personals. Für ein richtig gutes, Dry Aged Steak braucht man an für sich kein Steakmesser, da man es fast schon mit der Gabel zerteilen kann. Leider wurde das Entrecôte auch noch statt der bestellten Zubereitungsart “Café de Paris” mit einfacher Kräuterbutter geliefert. Auf Nachfrage, ob dies den wirklich die Butter “Café de Paris” sei, mussten wir erfahren, dass es sich nicht um eine Verwechslung gehandelt hat, sonder die Schlachthof Brasserie tatsächlich Kräuterbutter für die Zubereitung à la Café de Paris benutzt (die korrekte Zubereitungsart haben wir hier erklärt). Dafür, dass die Brasserie von Klaus Erfort betrieben wird, hätten wir hier deutlich mehr gastronomischen Verstand erwartet. Das Steak war leider total überpfeffert, so dass der Steakgeschmack vollkommen in den Hintergrund trat. Wenn man so stark würzt, muss man sich vorher nicht die Mühe machen, das Fleisch im “Dry Aging” Verfahren abzuhängen.
Parallel zum Steak haben wir den Thunfisch probiert. Der Fisch wurde gut gebraten (außen kross, innen roh), konnte aber leider geschmacklich genauso wenig überzeugen, wie das Entrecôte. Der Fisch war frisch, aber leider fast geschmacksneutral.
Insgesamt stimmt in der Brasserie das Preis-Leistungsverhältnis noch nicht. Die Gerichte sind für die gebotene Qualität zu teuer. Preislich vollkommen akzeptabel war das Mittagsmenü. Für 12€ gab es einen Tomatensalat und eine kleine Lammkeule auf grünen Bohnen.
Sehr gut gefallen hat uns die Reaktion des Personals auf unsere Beschwerden. Wir wurden ernst genommen und uns wurde als Entschuldigung ein Nachtisch bzw. ein Café angeboten. Wir werden die Brasserie sicherlich noch einmal testen, um nachzuprüfen, ob die Verbesserungsvorschläge auch tatsächlich umgesetzt wurden. Immerhin hat der Inhaber einen sehr guten Ruf zu verlieren.
Gut gefallen hat uns der Espresso. Statt falsch zubereiteten, verbrannten, wässerigen Kaffee (wie er leider zu oft serviert wird), gab es einen guten Nespresso. Man mag zu den Fertigkapseln stehen, wie man will, aber es ist fast unmöglich einen schlechten Nespresso zu servieren.

Unangenehm waren die vielen rauchenden Gäste im Wintergarten. Für Raucher ist die Brasserie wohl einer der letzten Rückzugsorte. Uns stört der Rauch beim Essen, so dass wir beim nächsten Besuch sicherlich im Innenraum sitzen werden.
Ein Artikel von Essen Bildet : Schlachthof Brasserie – Schwamm


